Sie sind hier: Startseite / Bilder / 2017 / 18. August


» Startseite » Stormchasing » Bilder » Videos » Wallpaper » Gewitterkunde » Chaser-Lexikon » Über mich » Ausrüstung » Jagdrevier » Referenzen » Wetterlinks » Gästebuch » Facebook » Impressum


18. August 2017
Analyse: Zerstörerisches Derecho zieht über Ostbayern


Analyse: Zerstörerisches Derecho zieht über Ostbayern


Ein heftiges Unwetter mit enormen Schäden hat an diesem Freitag den Freistaat über weite Landstriche heimgesucht. Zahlreiche Waldstücke wurden erheblich beschädigt, vielerorts steht dort, wo vorher dichter Baumbewuchs vorhanden war, keine einzige Pflanze mehr. Seit dem schweren Orkan Kyrill im Januar 2007 fiel hierzulande nicht mehr so viel Sturmholz an wie an diesem geschichtsträchtigen Tag.

Im Unterschied zum Winterorkan Kyrill handelte es sich bei diesem Sturmereignis nicht um einen Orkan in synoptischer Hinsicht, sondern diesmal um ein schweres Gewitterereignis in Form eines Derechos an einer Squall Line, welche den Luftmassenwechsel in der Nacht von Freitag auf Samstag begleitete. Die Großwetterlage an diesem Tag zeigte ein von Nordwesten heranrückendes Tief mit Druckzentrum nördlich der Britischen Inseln. Es läutete den Luftmassenwechsel über Mitteleuropa ein, indem die vorderseitige schwülwarme Luft an einer Kaltfront nach Osten abgedrängt wurde.


Quelle: Wetterzentrale

Die Satellitenbilder des Tages zeigen zunächst die Kaltfront, welche schon große Teile Deutschlands überquert hatte. Im Südosten des Landes, hauptsächlich Nieder- und Oberbayern, konnte bis zum Abend allerdings maximale Sonneneinstrahlung stattfinden. Dieser Umstand führte zu einem erheblichen Temperaturgradienten an der Front. Die amtlichen Messungen ergaben zum Abend Temperaturen von nur mehr 16 Grad im Saarland, während in der vollen Sonnendröhnung bei uns im Südosten immer noch Zahlreiche Messstellen über 30 Grad meldeten.

Link zu den amtlichen Messwerten auf kachelmannwetter.com


Quelle: EUMETSAT/Wetterzentrale

Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sich durch den enormen Temperaturgradienten sowie die baroklin hereinziehende Kaltfront ein Potential für schwere Unwetter ergibt. Viele hochauflösende Wettermodelle - hier: AROME mit 1,3 km Maschenweite - hatten bereits seit mehreren Läufen konstant eine von West nach Ost ziehende Squall Line an der Front simuliert, wobei die Schwerpunktsetzung hier natürlich bekannterweise schwierig war/ist.


Quelle: Meteociel

Während die Front zunächst nur langsam weiter nach Südosten vordringen konnte, bildeten sich vorderseitig in der schwülwarmen Luft weiter nördlich bereits vorlaufende Gewitterzellen, darunter auch einige Superzellen, die bereits hier für Unwetter sorgten. Im späteren Haupt-Unwettergebiet bleib es jedoch bis weit in die erste Nachthälfte hinein ruhig. Die Radarbilder von den jeweiligen Uhrzeiten zeigen ab etwa 18:00 Uhr das erste starke Niederschlagsecho an der Kaltfront selbst. Es sollte in den kommenden Stunden den kompletten Süden überqueren und bereits hier für heftige Sturmböen sorgen:







Quelle: Wetterzentrale

Um ca. 23:00 Uhr war dann der ostbayerische Teil im visier der Gewitterfront, welche immer mehr und mehr an Zuggeschwindigkeit zunahm. Im Bereich des konvektiven Teils der Kaltfront tragen während des Durchzugs heftige Downbursts auf, welche neben dem starken Temperaturgradienten auch einer relativ trockenen Grundschicht und einem Trockenlufteinschub in einer Höhe zwischen 700 und 600 Hektopascal Druckebene geschuldet waren. Dies lässt der Radiosondenaufstieg aus München von Freitagmittag vermuten:


Quelle: University of Wyoming

Infrarot-Satellitenbild bei Ankunft:


Quelle: EUMETSAT/Wetterzentrale

Die Downbursts entlang des Derechos waren indes heftigster Natur. Während der amtliche Windmasten bereits in Fürstenzell eine Böe von 136,9 km/h vermelden konnte, waren es an einer privaten Station am Oberfrauenwald, die direkte von einer Fallböe getroffen wurde, sage und schreibe 208 km/h - was durch das Schadensbild dort sehr plausibel erscheint. Dieses zeigte sich am nächsten Tag in vielen Waldabschnitten katastrophal:





































Nach einer Schätzung der Staatsregierung gehen die Schäden in den dreistelligen Millionenbereich, was aber wohl nie endgültig zu beziffern sein wird.


» Zurück zur Tagesauswahl 2017

Niederschlag


Blitze


Unwetterwarnungen


Startseite  Stormchasing  Bilder  Videos  Wallpaper  Gewitterkunde  Lexikon  Über mich  Ausrüstung  Jagdrevier  Referenzen  Links  Gästebuch  Facebook

Impressum  Lesezeichen setzen  Als Startseite verwenden